SVP-Bettenpopulismus
SVP-Tourismuspolitik ohne Zahlen und ohne Ressourcen-Konzept
Willkommen im Club, Hannes Senfter! Vor 4 Jahren wurde ich als Tourismus-Lobbyist und als Gegner des Bettenstopps betitelt. Warum? Weil ich dagegen war, dass willkürliche Begrenzungen eingeführt werden, noch bevor wir überhaupt wissen, wie viele Gästebetten wir in Südtirol überhaupt haben und in welchen Kategorien sich diese Betten befinden. Allein die Tatsache, dass wir ziemlich genau wissen wie viele Rindviecher und Ölheizungen wir im Land haben oder wie viele Hunde die Südtiroler halten, aber die Gemeinden und das Land nicht sagen können, wie viele Gästebetten vor Ort realisiert wurden, offenbart, wie angestrengt unsere Verwalter seit Jahrzehnten wegschaut haben. (siehe ausführliches Interview mit Andreas Leiter Reber in der ff - Südtiroler Wochenmagazin vom 14. Juli 2022)
Es völlig unverantwortlich, die Gästebetten nicht in Zusammenhang mit dem Ressourcenverbrauch zu bringen. Doch das wird bewusst ausgeklammert und der SVP-Slogan vom Bettenstopp, der in Wirklichkeit einen Bettenboom ausgelöst hat, täuscht Aktivismus vor und beruhigt oberflächlich eine zunehmend tourismusmüde Bevölkerung. Populismus der Mitte wie aus dem Lehrbuch.
Boden, Energie, Wasser:
Es macht einen enormen Unterschied, ob ich um ein Doppelbett ein Zimmer oder eine einfache Ferienwohnung mit Bad und Balkon baue, oder ob ich um dieses Bett eine 80 m² Suite mit Whirlpool, bei dem ich alle zwei Tage das Wasser wechsle, oder ein zweistöckiges Chalet mit eigenem Schwimmbad baue. Auf dem Papier sind es immer dieselben zwei Betten.
Dasselbe gilt für den Faktor Personal. Selbstverständlich braucht Südtirol Tourismusbetriebe in allen Kategorien. Doch können wir uns künftig noch mehr Betriebe, die einen sehr hohen Personalschlüssel benötigen, wirklich leisten? Mitarbeiter, die wir in Südtirol und der EU längst nicht mehr finden, die wir auswärts anwerben müssen und die wir zwar als Zimmermädl, Kellner, Tuttofare vom Thermenhotel bis hinauf auf die Alm dringend benötigen, die nach der Saison gefälligst verschwinden sollen? Für die wir kaum Wohnungen bauen und wir nicht bereit sind, deren Kindern dieselben Chancen mitzugeben wie den unseren?
Es macht nun mal einen Unterschied, ob ein kleineres, familiengeführtes Hotel mit zwei einheimischen und zwei ausländischen Saisonsangestellten und einer Nachbarin, die in Teilzeit die Zimmer macht, auskommt, oder ob ein Betrieb zwei Fixangestellte, 9 einheimische und 21 ausländische Saisonskräfte benötigt, und der Betrieb am Ende deutschen Investoren gehört.
Und auch die Wertschöpfung ist eine zentrale Frage, die völlig ausgeklammert wird. Wollen wir in Südtirol den Fokus gezielt auf Hotels mit 80, 100 und 150 und mehr Betten setzen, von dem am Ende eine Familie und vielleicht eine Handvoll Südtiroler leben. Oder wäre es gesellschaftlich und sozialpolitisch vernünftiger, die Weichen so zu stellen, dass mit den gleichen 100 oder 150 Betten vielleicht die Existenz von 5 oder gar 10 Südtiroler Familien gesichert werden kann?
Das Thema Verkehr, Nutzung der lokalen Gastronomie, Aufstiegs- und Freizeitanlagen, regionale Produkte und viele andere Aspekte sind Teil des Ressourcenverbrauchs und der Wertschöpfung, die mit ein und demselben Gästebett im Zusammenhang stehen.
Doch diesen gesellschaftlichen Diskurs offen zu führen, traut sich die SVP-geführte Landes- und Gemeindepolitik nicht, denn dann müsste man auch den ein oder anderen unangenehmen Aspekt ansprechen. Lei nit rogeln. Ein neues Feuerwehrauto spendieren, Primelen verkaufen und ein Foto mit den erfolgreichen Olympioniken kommt bei den Leuten ohnehin viel besser an.
Interview mit Andreas Leiter Reber in der ff - Das Südtiroler Wochenmagazin vom 14. Juli 2022:
Weitere Links zum Thema
Anfrage zur aktuellen Fragestunde Nr. 71/11/24-XVII vom 29.10.2024:
Zwei Jahre nach dem "Bettenstopp": Weiß die Landesregierung inzwischen wie viele Betten sie stoppen will?
Anfrage zur aktuellen Fragestunde Nr. 12/02/26-XVII vom 26.01.2026
Betten-Stop-and-Go
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