„Schützinnen“ in Südtirol

Bozen, 10.11.2025

Heute wurde ich gefragt, was ich von sogenannten „Schützinnen“ in Südtirol halte, also von Frauen, die in einer Südtiroler Schützenkompanie in Männertracht mit einem Gewehr ausrücken.

Eine etwas müßige Frage, denn Schützenkompanien sind ehrenamtliche und autonome Vereine und jedem Mann und jeder Frau steht es frei, einem solchen beizutreten und die Statuten und Gepflogenheiten zu akzeptieren oder eben nicht. 

   

Ausgehend von der aktuellen Diskussion innerhalb des Nordtiroler Schützenbundes, ist das Thema auch zu uns herübergeschwappt. Vielleicht auch deshalb, weil der Innsbrucker Universitätsprofessor Obwexer sich in die Thematik eingemischt hat, der als Haus- und Hofexperte unseres Landeshauptmanns in Südtirol einen großen Bekanntheitsgrad genießt. 

Als Frau nicht mit dem Gewehr ausrücken zu dürfen, verletze den von der EU vorgegeben „Gleichheitsgrundsatz“, meint der Professor gegenüber der Tiroler Tageszeitung und rät den Schützen ihre Statuten dahingehend abzuändern. 

Wer ernsthaft glaubt, dass sich ein Mitglied bei den Schützen über das Tragen eines Gewehrs oder einer Lederhose definiert, zeigt lediglich wie wenig Ahnung er vom Schützenwesen hat. 

Klar sind die Schützen ein Traditionsverband und selbstredend gehen ihre heutige Dienstordnungen, also die Form wie sie als Kompanie ausrücken auf die militärische Usanz zurück, die die Schützenkompanien und Reservistenkolonnen im späten 19. Jahrhundert ganz oder teilweise von der österreichischen k.u.k. Armee übernommen haben. 

Das Bekenntnis zur Tiroler Heimat, zu Brauchtum, Glaube und Kultur steht für jedes Mitglied einer Schützenkompanie im Vordergrund. Diese innere Haltung war in den fast 50 Jahren, in denen die Südtiroler Schützen gezwungenermaßen ohne Gewehre zu den kirchlichen Feiern oder bei Gedenkveranstaltungen aufmarschiert sind, vielleicht sogar sichtbarer und wesentlich ausdrucksstärker als heute.

   

Das Tragen eines Salutgewehrs oder eines Schnapspanzeles sind hingegen rein äußere Zeichen der Schützenwesens. Sie symbolisieren die Wehrhaftigkeit und sind wie die überlieferten Männer- und Frauentrachten Teil der Tradition, deren möglichst authentischer Pflege sich die Schützenkompanien ja verschrieben haben. 

   

Wer diese äußere und innere Ebene miteinander verwechselt oder sie gleichsetzt, weiß es einfach nicht besser oder tut dies mit Absicht.

   

Frauen sind in den meisten Südtiroler Schützenkompanien als Mitglieder nicht nur fest eingebunden, vielfach sind es die Marketenderinnen, die sich besonders aktiv und über viele Jahre und auch Jahrzehnte einbringen. 

   

Auch hier hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Eine Marketenderin mit schlohweißem Haar und 30- und 40-jähriger Mitgliedschaft ist in Südtirol heute keine Seltenheit und sagt viel über das Selbstverständnis und die Würde dieser Frauen aus. Zugleich strafen diese stolzen Frauen all jene Lügen, welche die heutigen Marketenderinnen als unemanzipiert abstempeln und ihnen reine Dekorzwecke zuschreiben wollen. 

   

Wenn überhaupt, dann fehlt beim heutigen (Südtiroler) Schützenwesen auf vereinstechnischer Ebene die Funktionärsebene, von der Beirätin bis zur Obfrau, die derzeit zwar möglich, aber noch nicht wirklich geregelt ist. Aber auch das hat nichts mit "Schützinnen" und mit der äußeren Form bei Ausrückungen zu tun. 

   

Ob Südtirols knapp 800 Marketenderinnen und rund 3.500 Schützen dieses Thema für sich erörtern wollen, bleibt allein ihnen und ihren 139 Kompanien überlassen. 

   

Politiker wie ich und auch so manche Universitätsprofessoren sind gut beraten, sich in Sachen Gleichberechtigung auf anderen Ebenen zu engagieren.

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