Wahlgesetz und Wahlkreis Südtirol

In Rom wird derzeit ein neues Wahlgesetz vorbereitet. Dabei sollen auch die Grenzen der Südtiroler Senatswahlkreise verändert werden. Fünf Gemeinden aus dem Überetsch und Unterland sollen künftig zum Wahlkreis Meran gehören, Aldein zum Wahlkreis Brixen.

   

Diese geplante Aufteilung hat im Unterland heftige Diskussionen ausgelöst. Doch es geht nicht nur um die Grenzen eines Wahlkreises. Die entscheidende Frage lautet: Wie werden die Stimmen der Südtirolerinnen und Südtiroler künftig in politische Vertretung in Rom übersetzt?

   

Andreas Leiter Reber schlägt deshalb mit seinem neuen Beschlussantrag eine grundlegende Reform vor: einen gemeinsamen Wahlkreis für ganz Südtirol, Verhältniswahlrecht und faire Regeln für die Vertretung aller drei Sprachgruppen.

   

Auf dieser Seite findest du den aktuellen Stand, einfache Erklärungen, politische Initiativen, Interviews, Pressemitteilungen und Medienberichte zum Thema.

Aktuelles

August 2026

Ein gemeinsamer Wahlkreis für ganz Südtirol

Andreas Leiter Reber fordert neue Regeln für Südtirols Vertretung in Rom: Anstelle der bisherigen Ein-Personen-Wahlkreise soll Südtirol künftig einen gemeinsamen Wahlkreis bilden.

    

Die Sitze, die Südtirol in Rom zustehen, sollen nach dem Verhältnis der abgegebenen Stimmen vergeben werden. Gleichzeitig müssen die deutsche, ladinische und italienische Sprachgruppe angemessen vertreten sein.

Die derzeitige regionale Wahlhürde soll abgeschafft werden. Als Alternative sieht der Beschlussantrag eine Wahlhürde von höchstens vier Prozent auf Südtiroler Landesebene vor.

   

Im Interview auf peer.tv vom 21.08.2026 erklärt Andreas Leiter Reber, warum die Polemik um den Wahlkreis Bozen-Unterland nur ein Teil eines größeren Problems ist und weshalb Südtirol neue Regeln für seine Vertretung in Rom braucht.

Interview ansehen

   

Auch Rai Südtirol hat den Vorschlag am 23.08.2026 aufgegriffen. Im Mittelpunkt stehen der gemeinsame Südtiroler Wahlkreis, das Verhältniswahlrecht und die Absicherung der italienischen Sprachgruppe.

Beitrag auf RaiNews lesen

   

Die Tageszeitung Dolomiten greift die Diskussion am 24. August 2026 im Artikel „Auf den Unmut folgen Alternativvorschläge“ auf.

Artikel lesen

Der politische Werdegang

  • August 2026 – Beschlussantrag wird eingebracht

    Die Freie Fraktion bringt den Beschlussantrag „Wahlgesetz: Südtirols politische Realität in Rom darstellen“ in den Südtiroler Landtag ein.

    Der Landtag soll sich für einen gemeinsamen Südtiroler Wahlkreis, Verhältniswahlrecht, eine niedrigere Wahlhürde und eine angemessene Vertretung aller Sprachgruppen aussprechen.

    Zudem sollen die Landesregierung sowie die Südtiroler Vertreter in der Sechser- und Zwölferkommission beauftragt werden, sich für diese Reform einzusetzen.
    Der Antrag wird von Andreas Leiter Reber eingebracht und von Franz Ploner, Paul Köllensperger, Thomas Widmann, Elisabeth Maria Rieder und Alex Ploner mitunterzeichnet.

Nachgelesen: Aktuelle Medienberichte

Short facts

Was ist ein Wahlkreis?

Ein Wahlkreis ist ein Gebiet, in dem die Bürgerinnen und Bürger ihre Vertreter für das Parlament wählen. Beim derzeitigen System gewinnt in jedem Südtiroler Senatswahlkreis jener Kandidat, der die meisten Stimmen erhält.

Was soll im Unterland geändert werden?

Eppan, Kaltern, Tramin, Kurtatsch und Margreid sollen vom Wahlkreis Bozen-Unterland zum Wahlkreis Meran wechseln. Aldein soll künftig zum Wahlkreis Brixen gehören.

Im verbleibenden Wahlkreis Bozen-Unterland hätte die italienische Sprachgruppe eine klare Mehrheit. Damit würden die Chancen auf einen italienischsprachigen Senator steigen. Die geplante Aufteilung ist Teil des neuen staatlichen Wahlgesetzes.

Warum sorgt das für Streit?

Viele Menschen im Unterland lehnen es ab, dass historisch und geografisch zusammengehörende Gemeinden auf verschiedene Wahlkreise verteilt werden.

Kritisiert wird außerdem, dass die Grenzen so verändert werden, dass sie einer bestimmten Partei oder Kandidatur Vorteile bringen könnten.

Was hat die Unterland-Diskussion mit dem Wahlgesetz zu tun?

Die neuen Grenzen werden nicht in Südtirol allein beschlossen. Sie sind Teil der Reform des staatlichen Wahlgesetzes in Rom.

Dieses Gesetz regelt nicht nur, wo die Wahlkreisgrenzen verlaufen. Es entscheidet auch, wie die Stimmen gezählt werden, welche Wahlhürden gelten und wie die Südtirol zustehenden Sitze vergeben werden.

Deshalb sagt Andreas Leiter Reber: Es reicht nicht, nur über die Verschiebung der sechs Gemeinden zu sprechen. Das gesamte System muss überprüft werden.

Was kritisiert Andreas Leiter Reber am bisherigen System?

In den derzeitigen Ein-Personen-Wahlkreisen gewinnt nur der Kandidat mit den meisten Stimmen. Alle anderen Stimmen führen in diesem Wahlkreis zu keinem eigenen Mandat.

Dadurch kann eine Partei alle deutsch- und ladinischsprachigen Vertreter nach Rom schicken, obwohl ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler andere Parteien gewählt hat.

Auch die italienische Sprachgruppe kann aus eigener Kraft nur schwer einen eigenen Vertreter wählen.

Was ist die Alternative?

Ganz Südtirol soll einen gemeinsamen Wahlkreis bilden. Die für Südtirol vorgesehenen Sitze sollen anschließend entsprechend den Stimmenanteilen verteilt werden.

Damit könnten verschiedene politische Kräfte eine realistische Chance auf Vertretung in Rom erhalten.

Was bedeutet Verhältniswahlrecht?

Beim Verhältniswahlrecht werden die Sitze möglichst entsprechend den erhaltenen Stimmen verteilt. 

Vereinfacht gesagt: Erhält eine politische Kraft einen bestimmten Anteil der Stimmen, soll sich dieser Anteil auch möglichst in der Zahl ihrer Mandate zeigen.

Wird der Schutz der Sprachgruppen dadurch geschwächt?

Nein. Der Beschlussantrag verlangt ausdrücklich eine faire und angemessene Vertretung der deutschen, ladinischen und italienischen Sprachgruppe.

Wie diese Absicherung konkret gestaltet wird, muss politisch und rechtlich ausgearbeitet werden. Denkbar sind beispielsweise Vereinbarungen zwischen den Parteien oder ein Sicherungssitz für den meistgewählten italienischen Kandidaten.

Was geschieht mit der Wahlhürde?

Die derzeitige Wahlhürde von 20 Prozent auf regionaler Ebene soll gestrichen werden.

Die allgemeine staatliche Vier-Prozent-Hürde soll in Südtirol entweder nicht gelten oder auf höchstens vier Prozent der Stimmen auf Südtiroler Landesebene angewandt werden.

Was bisher geschah

Juli 2026

Änderung der Südtiroler Wahlkreise wird in den Gesetzentwurf aufgenommen

Die Abgeordnetenkammer in Rom stimmt dem Entwurf für das neue Wahlgesetz zu. Darin werden auch die Grenzen der drei Südtiroler Senatswahlkreise verändert.
Fünf Gemeinden sollen dem Wahlkreis Meran, Aldein dem Wahlkreis Brixen zugeteilt werden. Der Entwurf wird anschließend an den Senat weitergeleitet.

Widerstand im Unterland

Gegen die geplante Aufteilung formiert sich im Unterland breiter Widerstand. Kritisiert werden sowohl die Trennung der Gemeinden als auch der politische Zuschnitt des neuen Wahlkreises.

Andreas Leiter Reber fordert einen gemeinsamen Südtiroler Wahlkreis

Andreas Leiter Reber lehnt die geplante Verschiebung ab. Gleichzeitig warnt er davor, lediglich das bisherige System zu verteidigen. Er fordert eine grundlegende Reform mit einem gemeinsamen Südtiroler Wahlkreis und Verhältniswahlrecht.

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