Heimat schafft Identität.
Zahlreiche Andreas Hofer Gedenkfeiern finden dieser Tage im ganzen Land statt.
Ebenso zahlreich sind die Gedenkreden, die meist von lokalen Politikern gehalten werden. Moralische Werte und große Begriffe wie „Mut“, „Treue“, „Selbstlosigkeit“, „Opferbereitschaft“, „Freiheit“, „Rückgrat“, „Demokratie“ oder „Heimat“ sind sehr oft die zentralen Botschaften dieser Reden.
Ob diese Worte immer authentisch sind und an den oft frostigen Tagen Ende Februar, die auch in Südtirol oft sehr überschaubar gewordene Zahl der Kirchgänger animieren, sich mit ihnen näher auseinanderzusetzen, bleibt wünschenswert, sei aber dahingestellt.
All den Andreas-Hofer-Gedenkfeiern gemeinsam ist aber die wertvolle, kollektive Erinnerung an die Geschichte.
Die Erinnerung an die Landesgeschichte, die Erinnerung an die eigenen Vorfahren und an jene Männer und Frauen, die dieses Land in Vergangenheit und bis heute herauf geprägt haben.
Andreas-Hofer-Feiern und andere Momente, die an unsere wechselvolle regionale und europäische Geschichte erinnern, sind wichtiger denn je. Wir Europäer erwecken den Eindruck, als hätten wir in den letzten Jahren vergessen, dass Errungenschaften wie Freiheit, Demokratie und Frieden nicht vom Himmel gefallen sind. Bei gleichzeitiger Betonung unserer regionalen Identitäten und Heimaten müssen wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten und Stärken besinnen und den Mut für die Schärfung europäischer Ziele aufbringen.
Hintergrund
Am 20. Februar 1810 wurde in Mantua der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer im Auftrag Napoleon Bonapartes standrechtlich erschossen. Für seine Führungsrolle bei den Tiroler Aufständen gegen die französische und bayrische Besatzung bezahlte der Sandwirt aus dem Passeiertal wie viele seiner Mitstreiter mit dem Leben.
Jährlich wird deshalb in Tirol rund um Hofers Sterbetag an Andreas Hofer und den Volksaufstand von 1809 erinnert. Neben den großen Landesfeiern in Innsbruck, Meran, im Passeiertal und in Mantua werden in Südtirol zahlreiche örtliche „Andreas-Hofer-Feiern“ abgehalten.
Aus einer nach dem II. Weltkrieg entstanden Tradition heraus finden die „Andreas Hofer-Feiern“ in Südtirols Gemeinden für gewöhnlich nach dem sonntäglichen Kirchgang statt und werden mit einer Gefallenenehrung vor den Kriegerdenkmälern der Gefallenen des I. und II. Weltkriegs kombiniert. Organisiert werden sie seit den Nachkriegsjahren meist von den örtlichen Schützenkompanien, den Ortsgruppen der Südtiroler Volkspartei und von Frontkämpfer- bzw. den daraus hervorgegangen Kameradenvereinen, Die Feiern werden oft von der örtlichen Musikkapelle und anderen Vereinen unterstützt.
Große „patriotische Landesfeiern“ in Erinnerung an Andreas Hofer und seine Mitstreiter kamen in Tirol gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf. In Meran, am Bergisel bei Innsbruck und anderen Schauplätzen der Tiroler Geschichte wurden in den Jahren vor und nach der Jahrhundertfeier 1809-1909 imposante Denkmäler errichtet.
In den Dörfern und Landgemeinden Südtirols fanden die ersten Kriegerehrungen ab 1943 unter der nationalsozialistischen Herrschaft statt. Nach dem Krieg und in den Jahren des Ringens um die Südtirol-Autonomie wurden diese Kriegergedenken mit dem Gedenken an Andreas Hofer und die Freiheitskriege von 1809 verquickt. Im österreichischen Bundesland Tirol wurden die Kriegerehrungen nach dem II. Weltkrieg auf Allerheiligen bzw. den Seelensonntag gelegt. Dass die örtlichen „Andreas-Hofer-Feiern“ in den Gemeinden sich vor allem in Südtirol und nicht im Bundesland Tirol oder der Provinz Trient etablieren konnten, hat einen politischen Hintergrund und ist auf das Ringen um Selbstbestimmung und Autonomie in den frühen 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zurückzuführen. Bis heute spielen bei diesen Gedenkfeiern Südtirols (Teil-)-Autonomie im italienischen Nationalstaat, die Stärkung des Minderheitenschutzes, der Kultur und des Landesbewusstseins eine zentrale Rolle.
Für Deine Sicherheit
Gib bitte den OTP-Code ein,
welchen Du gerade eben per SMS
erhalten hast.
Hmmm…
Leider hat etwas nicht geklappt.
Hast du die Nummer korrekt eingegeben?
Versuche es bitte noch einmal!
Freie Kontrollen
Schreibe den ersten Kommentar