Und täglich grüßt das Edelweiß…
Der Bauernbund scheint parteipolitisch irgendwo in den 80-Jahren hängengeblieben zu sein. Noch immer gibt es Ortsgruppen des Südtiroler Bauernbundes, der Bäuerinnenorganisation und der Bauernjugend, die bei den Gemeinderatswahlen ausschließlich Kandidaten und Mitglieder einer einzigen Partei bewerben. Anstatt alle aktiven Mitglieder auf den verschiedenen Listen zu unterstützen und froh zu sein, breit aufgestellt zu sein, degradieren sich die bäuerlichen Organisationen zu einer Vorfeldorganisation der Südtiroler Volkspartei.
Zudem sitzen mit Obmann und Direktor auch die hauptberuflich angestellten bzw. vergüteten Spitzenfunktionäre im Parteiausschuss bzw. dem Landwirtschaftsausschuss der Volkspartei.
Da bei weitem nicht alle 21.000 Mitglieder des Bauernbundes auch Mitglieder oder Wähler der Volkspartei sind, kann die parteipolitische Arbeit ihrer Verbandsfunktionäre für die SVP in keinster Weise gerechtfertigt werden.
Ob Gewerkschaften oder Wirtschaftsverbände - gut organisierte Berufsverbände sind für ihre Mitglieder und einen attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort wichtig und wir müssen froh sein, wenn wir in Südtirol noch genügend engagierte Menschen auf Orts-, Bezirks- und Landesebene finden, die sich meist ehrenamtlich für unsere Verbände und Vereine einsetzen.
Dass Berufsverbände dabei die Anliegen ihrer Mitglieder auch bei der Landesregierung und bei politischen Parteien deponieren ist nicht nur legitim, sondern ausdrücklich erwünscht. Denn umgekehrt ist es wichtig, dass die Gesetzgeber Rücksprache mit Berufsvertretern, Sachverständigen und Organisationen halten. Dass sich die Verbandsvertreter mit Exponenten und Mandataren der Regierungsparteien häufiger austauschen als mit Oppositionsparteien ist verständlich.
Problematisch wird es, wenn diese Rollen nicht getrennt werden. Obleute und Funktionäre von Berufsverbänden, Genossenschaften oder Beratungsorganisationen dürfen sich nicht mit einer politischen Partei gemein machen oder aktive Parteipolitik betreiben. Sie sind nun mal keine Privatunternehmer oder Arbeitnehmer, die sich als Einzelperson bei welcher Partei auch immer engagieren, denn Verbandsfunktionäre stehen nicht für sich allein, sondern immer auch für die gesamte Organisation und all ihre Mitglieder.
Man sollte meinen, dass bei unseren meist taffen und talentierten Verbandsfunktionären bereits der persönliche und berufliche Anstandskodex sowie das eigene Demokratieverständnis reichen sollten, um zwischen berechtigtem politischem Einsatz und offenem parteipolitischem Engagement unterscheiden zu können.
Viele Bauern und Ortsgruppen sind längst weiter und haben genug von der ungesunden Verbandelung ihres Verbandes mit der Volkpartei. Wenn der Bauernstand seinen Rückhalt in der Bevölkerung nicht noch weiter verlieren will, muss er endlich im Jahr 2025 ankommen und sich parteipolitisch emanzipieren. Man kann nicht glaubwürdig auf innovative und zeitgemäße Lösungen für Südtirols Landwirtschaft setzen, öffentliche Unterstützung und Gelder einfordern, aber demokratiepolitisch in den 80-ern stehenbleiben.
Die Neue Südtiroler Tageszeitung hat am 26.04. ausführlich darüber berichtet. Hier geht's zum vollständigen Artikel
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